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Mittwoch, 26. April 2017 00:15 
Milan Kundera - Die Identität
 
Geschrieben von Alexander am Mittwoch, 21. Dezember 2005

Roman, geschrieben 1996, in 1997 erschienen. Deutsche Ausgabe 168 S., die deutsche Übersetzung von Uli Aumüller stammt aus 1998.

“Die Identität” erzählt die Geschichte einer Krise. Jean-Marc und Chantal lieben sich sehr. Sie hat einen 5jährigen Sohn verloren und ihren ersten Mann verlassen, er hat ein gescheitertes Medizinstudium hinter sich. Jean-Marc ist eine Zuflucht für Chantal, sie ist für ihn wiederum ein Objekt der Fürsorge. Er ist ein wenig ein Außenseiter, phantasievoll, offen für verrückte Ideen und abgehobene Gefühle. Sie ist zurückhaltend, zerbrechlich, positiv eingestellt, aufmerksam. Seit Jahren leben sie zusammen in der ruhigen Gewißheit ihres Glücks. Die Gegenwart genügt ihnen und ein Leben, bei dem man immer nur an das Heute denkt.

Die Krise entsteht aus dem Nichts heraus, oder fast. Weder Katastrophe, noch Erleuchtung, noch das Ende der Liebe sind in Sicht, nur die zufällige Begegnung zweier Eindrücke, zweier banaler und flüchtiger Gefühle. Jean-Marc, der Chantal in ein Strandbad in die Normandie nachgereist ist, verwechselt ihre Gestalt von weitem mit der einer anderen, älteren, weniger schönen Frau: „Ist der Unterschied zwischen ihr und den anderen wirklich so winzig? Wie ist es möglich, dass er die Gestalt des am meisten geliebten Menschen nicht wiedererkennt, des Menschen, den er für unvergleichlich hält?“ Zur selben Zeit, ein paar Meter weiter und am selben Meeresufer hat Chantal eine ebenso banale Erkenntnis: ”Die Männer drehen sich nicht mehr nach mir um.”.
Weil sie sich verändert haben und aus Männern Väter geworden sind oder zurückgebliebene Kinder? Oder weil ihr Blick sie gar nicht wahrnimmt, als sei sie durchsichtig geworden? In diese Situation hinein erhält Chantal anonyme Liebesbriefe, für die sie nun besonders empfänglich ist. Diese Bewunderung entfacht in ihr eine neue Leidenschaft, bis sie merkt, dass Jean-Marc ihr nachspioniert hat und die Briefe kennt- noch schlimmer: Jean-Marc ist der Autor.
Von diesem winzigen Riß im Gewebe ihrer Identität aus setzen Chantal und Jean-Marc, eben weil sie sich lieben, und mit bestem Willen und Gewissen, einen höllischen Mechanismus in Gang, der zum Bruch zwischen ihnen führt. Jedes Wort, jede Geste, jede Situation, die sie erfinden, um den gerissenen Faden wieder zusammenzuflicken, führt sie tiefer ins Verderben. Sie verlieren sich selbst und den anderen; sie begreifen einander nicht mehr und der Verlust des liebenden Blicks des anderen führt dazu, dass sie sich selbst nicht mehr verstehen.

Kundera's wunderbaren Schreibstil findet man auch in diesem Roman wieder.
Elegant und verspielt drapiert Milan Kundera Situationen, in denen sich seine Figuren verirren, um sich anschließend neu zu orientieren.
Das Geschehen entwickelt sich, ganz seinem -bisherigem- Stil folgend, relativ langsam; fast philosophische Abschweifungen zeigen neue Gedankengänge und Standpunkte auf, welche der Geschichte insgesamt sicher nicht schaden. Im Gegenteil, davon leben die Werke Milan Kunderas.

Der Roman beginnt vielversprechend, doch insbesondere gegen Ende der Geschichte verliert sich der Inhalt. Vielleicht ist gerade diese 'Flachheit' auf den letzten Seiten die Poante des Romans; letztlich stellt sich heraus, dass Chantal nur geträumt hat, wobei offen gelassen wird, wo genau der Traum begann.



Weiterführende Informationen finden Sie auf der Webseite von Stephan Müller:

#www.kundera.de

Milan Kundera - Die Identität

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