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Platon und die antike Metaphysik
 
Geschrieben von Alexander am Donnerstag, 16. März 2006

Der griechische Philosoph Platon (428 - 348 v.Chr.), bekanntester Schüler Sokrates, stammte aus einem wohlhabenden und angesehenen altadligem Geschlecht Athens. Aufgrund seiner (familären) Beziehungen hatte er die Möglichkeit in der Politik Karriere zu machen. Insbesondere die Hinrichtung seines Mentors Sokrates (399 v. Chr.) ließ in ihm die Überzeugung reifen, dass die Stadt Athen von den Sitten der Väter abgefallen sei und überhaupt alle Staaten schlecht verwaltet wären (siehe unten, Platon, Briefe VII).


Als ich einst jung war, ging es mir wie vielen anderen: Ich hatte im Sinn, sobald ich mein eigener Herr wäre, mich sofort der Politik zu widmen. diesem Entschluß stellten sich aber folgenden Erfahrungen im öffentlichen Leben in den Weg. Unsere damalige Verfassung galt in weiten Kreisen als minderwertig, und so kam es zu einem Umsturz. An der Spitze der neuen Verfassung standen 51 Männer...30 aber übernahmen die gesamte Regierung mit unumschränkter Gewalt. Unter ihnen hatte ich einige Verwandte und Bekannte, und diese versuchten nun sogleich mich heranzuziehen... Die Erfahrung, die ich hierbei infolge meiner Jungend machte, sind weiter nicht verwunderlich. Ich hatte geglaubt, sie der Gerechtigkeit lenken, und so achtete ich gespannt darauf, was sie tun würden. Und da sah ich denn, dass diese Männer in kurzer Zeit die frühere Verfassung als das reine Gold erscheinen ließen. Abgesehen von anderem beauftragten sie einen mir befreundeten älteren Mann, Sokrates, den ich nicht anstehe, den rechtschaffensten Mann jener Zeit zu nennen, mit anderen, einen Bürger mit Gewalt zur Hinrichtung herbeizuführen, um ihn so..an ihrer Politik mitschuldig zu machen. Dieser aber gehrochte ihnen nicht, sondern riskierte lieber alles, als sich an ihren frevelhaften Handlungen zu beteiligen. Als ich das alles sah und noch manches derart und nicht eben Kleinigkeiten, da erfaßte mich ein Widerwille, und ich zog mich von diesem verbrecherischem Regiment zurück.

Platon war 29 Jahre alt, als Sokrates den Schierlingsbecher leeren musste. Er war zu dieser Zeit acht Jahre lang Schüler des Sokrates gewesen und verfolgte den Prozess gegen ihn genau. Die Verurteilung "des edelsten Menschen der Stadt Athen" zum Tode prägte Platon und seine Philosophie. Die Verurteilung und die Hinrichtung Sokrates brachte für Platon eindeutig zum Ausdruck, welcher Widerspruch zwischen den tatsächlichen Verhältnissen in einer Gesellschaft und dem Wahren oder Ideellen bestehen kann.
Platons erste Abhandlung befasste sich dann auch intensiv mit dem Prozess und der Verteidigungsrede Platons. Kurz nach dem Tod seines großen Vorbildes Sokrates, verließ Platon auch seine Heimatstadt Athen und ging auf Reisen, u.a. Unteritalien, Kyrene, Ägypten und Sizilien. Nach seiner Rückkehr gründete Platon in Athen seine eigene Akademie, in welcher -in Form eines Dialogs- die Fächer Philosophie, Mathematik und Gymnastik unterrichtet wurde.

Platons Philosophie

Von Sokrates übernahm Platon den festen Glaube an die Existenz der Vernunft eines jeden Menschen, deshalb konnte man -nach Platon- den höchsten Grad der Wirklichkeit einzig durch den Verstand und die Vernunft erreichen. Platon verfasste alle seine Werke in Form eines Philosophischen Dialogs; die Rhetorik empfand er lediglich als Überredekunst, den Dialog (eine Vorform der Dialektik) dagegen für die erstrebenswerte Art ein Gespräch zu führen - zusammen mit seinem Gesprächspartner neue Ideen entwickeln. Auch hier ist der Einfluss Sokrates unübersehbar.

Platon ging aber weiter als Sokrates vor ihm. Platon erkannte, dass einzelne Bäume zwar vergänglich sind, doch die verallgemeinerte Idee Baum beständig ist. Diese bahnbrechende Beobachtung führte schließlich zu Platons bekannter Ideenlehre, in welcher die ewige Wahrheit, ewig schön und ewig gut in den verallgemeinerten Ideen weiterlebt.

Warum sind alle Bäume gleich?
Haben alle Bäume einen gemeinsamen Ursprung?

Jeder einzelne Baum muss also etwas eigentümliches an sich haben, dass die Idee Baum auszeichnet:
Dieses Ideal, diese Verallgemeinerung, nannte Platon die Idee.
Ohne Mühe kann man diese Beobachtung auf alle anderen Objekte der Welt übertragen; dadurch entsteht eine parallele, metaphysische Ideenwelt, welche für Platon die eigene Wirklichkeit ist. Dies versuchte Platon an Hand seines berühmten Höhlengleichnisses zu veranschaulichen:

Stelle dir einen Menschen in einer unterirdischen höhlenartigen Behausung vor, die einem aufwärts gegen das Licht geöffneten Zugang hat. In dieser sind sie von Kindheit an gefesselt, so dass sie auf demselben Fleck bleiben und den Kopf herumzudrehen wegen der Fessel nicht imstande sind. Licht aber haben sie von einem Feuer, welches von oben und von ferne her hinter ihnen brennt. Zwischen dem Feuer und den Gefangenen geht obenher ein Weg, längs diesem stelle dir eine Mauer aufgeführt vor. Längs dieser Mauer tragen Menschen allerlei Gefäße, die über die Mauer emporragen. Einige, wie natürlich, reden dabei, andere schweigen. Ein gar wunderliches Bild, sprach er, stellst du dar und wunderlich Gefangene. Die aber uns gleichen, entgegnete ich. Denn fürs erste, meinst du wohl, dass dergleichen Menschen von sich selbst und voneinander etwas anderes zu sehen bekommen als die Schatten, welche das Feuer auf die ihnen gegenüberliegende Wand der Höhle wirft? Und wie steht es mit den vorbeigetragenen Gegenständen? Nicht ebenso? Wenn sie nun miteinander reden könnten, meinst du nicht, sie würden glauben, das, was sie sehen und mit anderen Worten bezeichnen, sei dasselbe wie das, was vorübergetragen wird? Und wie, wenn ihr Kerker auch einen Widerhall hätte von drüben her, meinst du, wenn einer von den Vorübergehenden spräche, sie würden denken, etwas anderes rede als der eben vorübergehende Schatten? - Nun stelle dir vor, es werde einer befreit und genötigt, plötzlich aufzustehen, den Hals umzuwenden, zu gehen und nach dem Licht hinzublicken, und dies alles täte ihm weh, und er wäre wegen des Flimmerns nicht imstande, die Gegenstände zu sehen, deren Schatten er vorher gesehen hatte. Was glaubst du würde er sagen, wenn man ihm versicherte, damals habe er lauter Nichtigkeit gesehen, jetzt aber sei er dem Seienden näher, stehe vor Dingen, denen ein Sein in höherem Grade zukomme, und sehe daher richtiger? Und wenn man ihn gar in das Licht selbst zu sehen nötige, würden ihm dann nicht die Augen schmerzen, und er würde fliehen und zu jenen Dingen zurückkehren, die er anzusehen imstande ist, fest überzeugt, diese seinen in der Tat viel wirklicher aals das, was man ihm zuletzt gezeigt hatte.

Platon meinte, dass alles, was wir in der Natur greifen und fühlen können, fließt. Es existieren also keine Grundstoffe, welche nicht irgendwann in Auflösung übergehen. Absolut alles, was der Sinnenwelt angehört, besteht aus einem Material, an dem der Zahn der Zeit nagt. Aber gleichzeitig ist alles nach einer zeitlosen Form gebildet, die ewig und unveränderlich ist.

Platon folgerte, dass alles was sich im Fluss befindet, wie bereits erwähnt, einer eigenen Idee zugeordnet werden kann. Die eigentliche (metaphysische) Wirklichkeit entspricht im Höhlengleichnis dem Treiben außerhalb der abgedunkelten Höhle, entsprechend wird die uns täuschenden Sinneswelt durch die Schattenspiele an der Wand symbolisiert.
Platon folgert weiter, dass jeder Mensch mit seiner Seele teil hat an der Ideenwelt, die ewig lebt und nicht vergeht. Das bedeutet, dass der Mensch ein Zwitterwesen ist, dass zugleich fließt und ewig weiterbesteht. An dieser Stelle setzt auch die Kritik der meisten Nachfolger an.

Platons Trieb zum Philosphieren nannte er selbst "Eros", was sinngemäß Liebe (platonische Liebe, also geistige oder freundschaftliche Liebe) bedeutet. Zum Eros als Antrieb muss die richtige Methode treten, die Dialektik. Rhetorik überredet, Dialektik ist die Kunst, im gemeinsamen Suchen, im Gespräch, zum allgemein Gültigen vorzudringen.

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